Dallaire: „Es hat sich hier wirklich nach zuhause angefühlt“
Freitag, 12. Juni 2026 |

EHC Red Bull München: Abschiedsinterview von Patrick Dallaire

Dallaire: „Es hat sich hier wirklich nach zuhause angefühlt“Abschiedsinterview nach 17 Jahren// INTERVIEWPatrick Dallaire wechselt auf eigenen Wunsch zu einer NHL-Organisation. In seinem Abschiedsinterview blickt der Torwarttrainer auf zwölf Jahre in München zurück, fasst seine Highlights zusammen und liefert spannende letzte Einblicke in seine Arbeit.
Patrick, du warst insgesamt 17 Jahre in der Red Bull-Eishockeyorganisation. Fünf Jahre in Salzburg, zwölf in München. Was waren deine größten Highlights in dieser langen Zeit?
Patrick Dallaire: „Jede Meisterschaft war etwas Besonderes und alle waren einzigartig, weil jeweils unterschiedliche Saisons vorangegangen sind. Zudem hatte ich die Möglichkeit, mit sehr vielen verschiedenen Torhütern zusammenarbeiten zu dürfen. Vor allem in München gab es in den Jahren ausgezeichnete Goalies, die gleichzeitig großartige Menschen waren. Diese Begegnungen und das gemeinsame Arbeiten gehören genauso zu meinen Highlights, wie die gewonnenen Titel.“
Du gehörst zu einem elitären Kreis, der alle vier Münchner Meisterschaften geprägt hat. Sticht eine dabei besonders für dich heraus?
Dallaire: „Der erste Titel 2016 war natürlich etwas ganz Besonderes. Für uns war das alles neu. Wir haben mit Don Jackson eine neue Spielidee und Kultur etabliert. Diesen Weg gemeinsam zu gehen, hat mich geprägt. Es war keine einfache Spielzeit. In der Weihnachtszeit waren wir noch im Tabellenmittelfeld und haben die Saison dann an der Spitze beendet. Am meisten genossen habe ich aber die dritte Meisterschaft. Weil die Reise, gerade in den Playoffs, sehr emotional war. Auch, weil Danny aus den Birken eine fantastische Saison gespielt hat, die auch in der gemeinsamen Silbermedaille bei den Olympischen Spielen gemündet ist.“
In deinen zwölf Jahren hast du zahlreichen jungen Torhütern in ihrer Entwicklung geholfen. Wer war für dich rückblickend die größte Überraschung und auf wessen Entwicklung bist du besonders stolz?
Dallaire: „Die Arbeit mit den jungen Goalies war speziell für mich. Sie waren alle neugierig, wollten lernen und haben mir die Arbeit wirklich leicht gemacht. Goalies wie Daniel Allavena oder Daniel Fießinger auf die DEL vorzubereiten und zu sehen, dass sie vielleicht auch trotz Zweifeln von außen in jungem Alter einen guten Job gemacht haben, war besonders schön.“
Bild Patrick Dallaire 3
Sind es die Momente, in denen dir dein Job besonders viel Spaß macht? Zu sehen, wie junge Torhüter mit deiner Hilfe den nächsten Schritt machen können?
Dallaire: „Absolut. Das jüngste Beispiel hierfür ist Matthias Bittner. Er kam nicht aus der Red Bull Eishockey Akademie und musste unsere Art zu spielen und zu arbeiten erst einmal verinnerlichen. Die Fortschritte, die er seitdem gemacht hat, sind beeindruckend. In meinen Augen hat er eine große Zukunft vor sich. Und dabei geholfen zu haben, macht mich unglaublich stolz und deshalb liebe ich meinen Job.“
Wann weißt du, ob ein Torhüter das hat, was es braucht, um Profi zu werden?
Dallaire: „Einmal gibt es den technischen Part. Daran kann man immer arbeiten und man sieht schnell, ob die Bewegungsabläufe gut sind. Das Schwierigere ist der mentale Teil. Dort kann man schnell sehen, ob du die Chance hast, das nächste Level zu erreichen. Auch das kann man sich teilweise erarbeiten und dabei helfen, aber vieles muss vom Spieler selbst ausgehen. Wenn man merkt, dass ein Talent mit Fokus arbeitet und Druck standhält, dann kann man ihn zum Profi formen.“
Es wird oft gesagt, dass Eishockey-Torhüter ein besonderes Mindset haben. Dass sie manchmal ein wenig mehr im Tunnel sind als andere und sich rund um die Spieltage zurückziehen. Würdest du dem zustimmen?
Dallaire: „Insgesamt stimmt das schon. Sie müssen dauerhaft voll im Fokus sein, da jeder kleine Fehler, jede Unachtsamkeit ein Tor verursachen kann und damit das Spiel verändert. Ich hatte Torhüter, die während der Drittelpausen kaum ansprechbar waren, um voll fokussiert zu bleiben. Dann gibt es aber auch Goalies wie Antoine Bibeau. Einfach ein Typ in der Kabine wie jeder andere. Du kannst mit ihm sprechen, sogar Späße machen. Im Spielertunnel, bevor es wieder aufs Eis geht, ist er dann wieder komplett fokussiert. Da bildet er aber eher die Ausnahme.“
Welchen universellen Ratschlag würdest du einem jungen Torhüter geben?
Dallaire: „Man sollte sich immer darauf besinnen, warum man überhaupt angefangen hat. Es ist der Spaß am Spiel, das Gefühl, einen Puck zu halten und auch mit dem Schläger mitzuspielen. Die wirklich erfolgreichen Goalies sind die, die nie den Spaß am Spiel verlieren. Dann ist es auch einfacher, mit einer lauten Arena und dem Druck entscheidender Situationen standzuhalten.“
Bild Patrick Dallaire 2
In den vergangenen Jahren hattest du bereits Angebote von NHL-Organisationen, die du abgelehnt hast. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für dich, diesen Schritt zu gehen?
Dallaire: „Ich bin jetzt 51 Jahre alt. Ich habe das Gefühl, wenn ich diese Chance jetzt nicht wahrnehme, kommt sie vielleicht nicht mehr wieder. Jetzt habe ich die Energie, nochmal in einem komplett neuen Umfeld durchzustarten. Gleichzeitig habe ich jetzt auch die Erfahrung und Erfolge in meinem Lebenslauf, die es mir erlauben, selbstbewusst den nächsten Schritt zu gehen.“
Als du in die Organisation gekommen bist, warst du 33 Jahre alt. Hätte der 33-jährige Patrick Dallaire sich damals vorstellen können, erst nach 17 Jahren zurück nach Nordamerika zu gehen?
Dallaire: „Ich kam eigentlich nur für ein Jahr. Ich war einfach neugierig und fand die Möglichkeit spannend, sowohl mit jungen als auch erfahrenen Profi-Goalies zusammenzuarbeiten. Und dann wurde es eine lange Reise (lacht).“
Was wird dir hier am meisten fehlen?
Dallaire: „Ich werde das ganze Umfeld und all die Menschen vermissen, mit denen ich hier zusammengearbeitet habe, auch rund um das Team. Ich hatte hier das große Glück, mit sehr guten Torhütern zusammenzuarbeiten, die auch großartige Menschen sind. Ich habe mich als ein Teil des Clubs gefühlt. Für all das bin ich der Organisation sehr, sehr dankbar. Es hat sich hier wirklich nach zuhause angefühlt.“
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