Ferguson: „Es ist einfach, das Leben hier zu lieben“
Dienstag, 26. Mai 2026 |

EHC Red Bull München: Brady Ferguson im Interview

Ferguson: „Es ist einfach, das Leben hier zu lieben“// INTERVIEWTrotz Sommerpause blieb Brady Ferguson bis zuletzt in München. Im Interview vor seinem Heimatbesuch in Texas erklärt der US-Amerikaner, warum hier seine neue Heimat ist – zudem blickt er auf ein emotionales erstes Jahr zurück.
Brady, du bist aktuell noch immer in München und hast dir mit deinem Heimatbesuch Zeit gelassen. Am Mittwoch geht es dann erst nach Texas. Das ist nicht unbedingt üblich.
Brady Ferguson: „Für mich und meine Familie ist es hier einfach perfekt. Wir besuchen hier unsere Freunde, aus dem Eishockey-Kosmos und außerhalb. Meine beiden Kinder haben ihre Hobbys und Freunde hier. Mein Sohn Barry spielt Eishockey. Wir können hier viel Zeit in Parks, auf Spielplätzen und Festen verbringen – gleichzeitig kann ich mit den jüngeren Spielern trainieren. Alles, was wir brauchen. Die Bäume sind grün, die Blumen blühen: Es ist einfach, das Leben hier zu lieben, weil es ein sehr gutes für die Fergusons ist.“
Klingt so, als wäre München nach einem Jahr wirklich schon euer neues Zuhause.
Ferguson: „Wo meine Familie ist, da ist auch zuhause. Und ich glaube, wir haben noch sehr viel in München zu entdecken. Dazu haben wir im Sommer endlich Zeit. Wir versuchen jede Woche, neue Orte für uns zu entdecken.“
Deshalb wird es auch kein allzu langer Heimatbesuch?
Ferguson: „Ganz genau. Wir sind jetzt gut zwei Wochen in Texas, besuchen meine Eltern, die Großeltern, meinen Bruder und einige Freunde, von denen zwei kürzlich geheiratet haben. Das müssen wir gemeinsam nachfeiern. Ich freue mich auch auf Barbecues und richtiges Tex-Mex-Essen. Das ist dann unser Urlaub.“
Ferguson Kids
Ferguson feiert mit seinen Söhnen Barry und Benny
Obwohl das Wetter in München zuletzt auch nicht schlecht war.
Ferguson: „Es ist verrückt. Ich glaube, hier ist es aktuell wärmer als in Texas. Ich vermisse die Klimaanlage von zuhause gerade schon ein wenig (lacht).“
Wird im Urlaub weiter trainiert? Ich glaube, ihr habt von den Fitness-Coaches anspruchsvolle Pläne für den Sommer bekommen.
Ferguson: „Das stimmt. Vielleicht darf ich für die zwei Wochen Urlaub ein paar kürzere Runden laufen. Ich meine: Die Luft ist ja auch anders (lacht). Nein, mir ist es selbst sehr wichtig, weiter durchzuziehen und da mache ich dann in der Heimat keine Ausnahme.“
Gehen wir gedanklich vom heißen Texas mal zurück aufs Eis. Wie würdest du dein erstes Jahr in München sportlich bewerten?
Ferguson: „Wenn du den Titel nicht gewinnst und ausscheidest, fühlt sich automatisch erst einmal alles schlecht an. Aber mit ein wenig Abstand und in dem Wissen, dass wir mit vielen neuen Spielern und einem neuen Trainerteam in die Saison gegangen sind, und zwischenzeitlich großes Verletzungspech hatten, dann war sicherlich nicht alles schlecht. Wir haben uns permanent weiterentwickelt und sind wirklich zusammengewachsen. In schlechteren Phasen haben wir immer wieder Wege hinausgefunden. Dafür spielst du Eishockey: Diese Hürden hinter dir zu lassen und als Team dann wieder gemeinsam Erfolge zu feiern. Wenn ich jetzt darüber spreche, kann ich es auch eigentlich kaum erwarten, wieder loszulegen (lacht).“
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// IN-GAME-VIDEO
In diesem Sommer fällt der Umbruch deutlich kleiner aus. Hilft es auch dir, wenn ein großer Teil des Teams bleibt?
Ferguson: „Auf jeden Fall. Ich bin selbst erst ein Jahr hier, aber ich habe in diesem Jahr gelernt, dass die Erwartungen an uns sehr hoch sind. Es gibt Dinge, die muss man verinnerlichen. Nicht nur Taktik und Spielphilosophie – auch wenn es wichtige Elemente sind. Es macht den nächsten Schritt einfacher, wenn viele Spieler im Team genau wissen, was von ihnen erwartet wird.“
Siehst du dich in der Rolle, den neuen Spielern zu diesem Verständnis zu verhelfen?
Ferguson: „Ich freue mich sogar sehr darauf, die neuen Jungs bei uns zu integrieren. Ihnen unsere Philosophie und unser Miteinander weiterzugeben.“
Gibt es aus deinem ersten Jahr zurückblickend einen Moment, an den du dich dein ganzes Leben lang zurückerinnern wirst?
Ferguson: „Puh! Es sind sehr, sehr viele. Ich glaube, sportlich ist es der Seriengewinn gegen Ingolstadt im Playoff-Viertelfinale. Wir hatten während der Saison mit einigen Dingen, wie Verletzungen oder bitteren Niederlagen, zu kämpfen, aber sich als ganzes Team dann auf diese Spiele einzuschwören, war fantastisch. Während der Serie dann zu sehen, wie alle noch einmal über sich hinauswachsen und am Ende gegen einen so starken und schwierig zu bespielenden Gegner gewinnen – dieses Gefühl werde ich nie vergessen.“
Und abseits des Eises?
Ferguson: „Mein erstes Oktoberfest (lacht). Du siehst als Amerikaner immer diese Videos oder hörst von Freunden die unglaublichsten Geschichten. Es dann selbst zu erleben, war schon sehr cool.“
Ferguson gute Laune
War es besser, schlechter oder anders, als du es dir vorgestellt hast? Oder hat es deinen Erwartungen entsprochen?
Ferguson: „Es war so viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Die komplette Erfahrung mit dem Team, am Vorabend in diesen coolen Jerseys das Spiel zu gewinnen und am nächsten Tag in Tracht im Hacker-Pschorr-Festzelt zu feiern, war einfach großartig. Und für mich war es völlig neu, dass man auch mit der Familie so eine einzigartige Zeit dort verbringen kann. Die Fahrgeschäfte, das Essen, das ganze Drumherum.“
Bis zum nächsten Oktoberfest ist es noch ein paar Monate. Zuvor geht es zurück ins Training und der Vorbereitung Richtung Saisonstart. Wie geht es weiter, wenn du aus deinem Texas-Urlaub zurück bist?
Ferguson: „Wenn ich in zwei Wochen wieder da bin, können wir, glaube ich, so langsam schon wieder aufs Eis. Dann kommen Stück für Stück die Jungs zurück und wir können wieder mehr Gas geben. Darauf freue ich mich auch schon sehr.“
Die Vorbereitung ist abgeschlossen, es ist September und die PENNY DEL startet wieder: Was hast du dir für die neue Saison vorgenommen?
Ferguson: „Die einfache Antwort: Ich möchte dem Team noch mehr helfen. Ich glaube, mein Ziel ist es nicht, die meisten Tore in der DEL zu schießen. Natürlich möchte man am Ende immer mehr Punkte auf dem persönlichen Konto haben als im letzten Jahr. Ich möchte aber meine Mitspieler und damit auch das Team besser machen. Ich will ich hart arbeiten, mich immer voll einbringen, wichtige Wege gehen und vielleicht auch in der Kabine dafür sorgen, dass wir alle nächstes Jahr besser sind als in der zurückliegenden Saison. Und dann war es auch für mich ein Schritt nach vorne.“
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