
Donnerstag, 17. September 2026 |
EHC Red Bull München: Trainer Oliver David im Interview
Oliver, morgen geht es endlich wieder los. Sind du und die Mannschaft nach der vergangenen Saison körperlich und mental gut erholt zurückgekehrt?
Oliver David: „Ja. Die freie Zeit war ausreichend, um neue Energie zu sammeln. Seit wir wieder zusammen sind, herrscht eine spürbare Ruhe innerhalb der Mannschaft. In der Vorbereitung konnten wir unsere Ideen auffrischen, neue Ansätze besprechen und die neuen Spieler integrieren. Das ist in den vergangenen sechs Wochen sehr gut gelungen.“
Wie bewertest du die Vorbereitung mit Blick auf die Spiele und die Entwicklung der Mannschaft?
David: „Wir haben in einigen Phasen bereits die Identität gezeigt, für die wir stehen wollen: ein aktives, aggressives Spiel mit und ohne Puck und der Anspruch, dem Gegner unser Spiel aufzuzwingen. Auch offensiv haben wir gezeigt, dass wir sehr viel umsetzen können, wenn wir konzentriert arbeiten. Unsere Bilanz mit sechs Siegen aus acht Spielen war zwar sehr gut, doch die Ergebnisse der Vorbereitung dürfen nicht überbewertet werden. Die Vergangenheit hat oft gezeigt, dass eine starke Vorbereitung keine Garantie für eine erfolgreiche Saison ist – und umgekehrt. Wichtiger ist, wo wir im Vergleich zur vergangenen Saison stehen, in welchen Bereichen wir stärker geworden sind und ob wir uns als Mannschaft weiterentwickelt haben. Dass der Kern der Mannschaft und der Großteil des Trainerteams zusammengeblieben sind, sorgt für Stabilität und eine gewisse Ruhe. Es geht nicht um einen Neuaufbau, sondern darum, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Und die Welle weiter zu reiten.“

Kann eine erfolgreiche Vorbereitung – und der Gewinn von zwei kleinen Titeln - der Mannschaft trotzdem zusätzlichen Schwung für den Saisonstart geben?
David: „Die Vorbereitung war vor allem eine Generalprobe. Wir haben Abläufe, Reisen und Spielsituationen trainiert. Mit dem Saisonstart verändern sich jedoch die Rahmenbedingungen: Es gibt Punkte, mehr Druck, andere Gegner und eine andere Bewertung unserer Leistungen. Jetzt gehen die Lichter an und wir beginnen bei null. Wie Mike Tyson gesagt hat: Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt. Nun müssen wir zeigen, ob wir die Schläge aushalten und selbst häufiger den K.o. setzen können.“
Zum Auftakt wartet mit Mannheim ausgerechnet der Gegner, gegen den wir im Halbfinale ausgeschieden sind. Spielt dabei auch eine Art Revanchegedanke eine Rolle?
David: „Wir sind in den letzten Jahren häufig auch in den Playoffs auf Mannheim getroffen. Viele Spieler waren Teil dieser Geschichten oder haben ihre eigene Vergangenheit mit Mannheim. Und die Fans natürlich auch. Ich weiß um die Intensität und die Emotion des Duells, aber ich versuche das Spiel mit Blick auf das Wesentliche anzugehen. Das Spiel ist ein Maßstab dafür, wie die neue Saison aussehen könnte und was wir tun müssen, um am Ende vor Mannheim und den anderen Top-Teams zu stehen. Was das Spiel tatsächlich bringt, werden wir aber erst erfahren, wenn der Puck fällt.“

Wie haben sich die neuen Spieler persönlich und sportlich in die Mannschaft integriert? Haben sie deine Spielphilosophie schon verinnerlicht und aufs Eis bringen können?
David: „Ich möchte erstmal betonen, dass unser System nicht von mir entworfen wurde. Unser System basiert auf einem starken Fundament, das vor allem von Don Jackson geprägt wurde. Im Eishockey ist es eher ungewöhnlich, dass eine Spielidee über mehrere Trainer und Spielzeiten hinweg Bestand hat. Unsere Aufgabe besteht darin, auf dieser Grundlage aufzubauen und gezielt dort Veränderungen vorzunehmen, wo sie einen Mehrwert bringen. Das System ist einfach zu verstehen, aber nicht einfach umzusetzen. Wir wollen mit und ohne Puck aggressiv spielen. Dafür braucht man enorme Fitness, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, jederzeit gute Entscheidungen zu treffen.“
Und das ist den Neuen schon gelungen?
David: „Die neuen Spieler haben sich schon sehr gut eingefügt. Gerade menschlich ist die Integration sehr gut verlaufen. Unsere erfahrenen Spieler und die Führungsgruppe sorgen dafür, dass neue Spieler willkommen geheißen werden und das ganze Team ist offen und hilfsbereit. Wenn du kein „fauler Apfel“ bist und die Mannschaft für dich an erster Stelle steht, solltest du es eigentlich nicht schwer haben, bei uns gut aufgenommen zu werden. Ich glaube, wenn man Eishockeyspieler ist, ist das hier ein großartiger Ort (lacht).“
Wenn du von der Führungsgruppe sprichst, meinst du unser Quintett: Patrick Hager als Kapitän, Maxi Kastner und Ryan Murphy als Heim-Assistenten und Fabio Wagner und Brady Ferguson als Auswärts-Assistenten?
David: „Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit Christian Winkler eine Führungsgruppe zusammengestellt, in der unterschiedliche Perspektiven vertreten sind – Stürmer und Verteidiger, deutsche und ausländische Spieler sowie erfahrene und neue Spieler. Dazu gehören neben diesen fünf auch Mathias Niederberger und seit diesem Sommer auch Dominik Kahun. Nachdem wir diesen „Mannschaftsrat“ etabliert haben, war es mir sehr wichtig dieses Jahr nicht viel zu verändern. Die Situation ist eine andere als im vergangenen Jahr: Damals musste sich ein großer Teil der Mannschaft erst integrieren. Heute wissen die Spieler, wie wir arbeiten und wie wir spielen wollen. Und unsere Führungsgruppe soll die Möglichkeit bekommen, noch stärker Verantwortung zu übernehmen und weiter in ihre Rollen hineinzuwachsen.“

Stellt die Verletzung von Philipp Krening dich vor Saisonstart vor ein paar Probleme, gerade mit Blick auf die U23-Regel und daraus resultierende Entscheidungen? Voraussichtlich müssen auch gestandene Profis hin und wieder pausieren.
David: „Unser erstes Ziel ist immer, für jedes Spiel die bestmögliche Aufstellung zusammenzustellen. Dabei müssen wir unter anderem entscheiden, wie viele U23-Spieler, Stürmer und Verteidiger eingesetzt werden. Im Laufe der Saison kommen weitere Faktoren hinzu: Verletzungen, Krankheiten und Sperren. Für die betroffenen Spieler sind all diese Situationen nicht immer einfach. Aber sie gehören zum Profisport. In jeder Mannschaft gibt es mehr Spieler, als in einer Partie eingesetzt werden können. Die Jungs dürfen solche Entscheidungen nicht überinterpretieren. Sie müssen sich nicht selbst zusätzlichen Druck oder unnötige Ängste machen. In jedem anderen Beruf sind Abteilungen so aufgebaut, dass nicht jeder Mitarbeiter jeden Tag arbeiten muss. Auch dort gibt es Urlaube oder Ausfälle. Ein freier Tag heißt nicht, dass man keine wichtige Rolle spielt. Ich versuche den Spielern das genau so zu erklären und hoffe auf ein wenig mehr Verständnis – auch wenn ich weiß, dass Sportler immer spielen wollen und andere in ihrem Beruf sicherlich nicht jeden Tag arbeiten wollen (lacht).“
Patrick Hager ist sich sicher, „die Mannschaft ist deutlich weiter, als im letzten Jahr zum gleichen Zeitpunkt“. Hat er recht?
David: „Da stimme ich Hagi zu 100 Prozent zu. Die meisten Spieler und das Trainerteam arbeiten nun seit einem Jahr zusammen. Dadurch haben wir einen gemeinsamen Rhythmus entwickelt. Es fühlt sich an, als würden wir nach der Sommerpause dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Der größte Unterschied liegt in der Kaderplanung. Im vergangenen Sommer mussten wir erst herausfinden, welche Spieler zusammenpassen. In diesem Jahr haben wir gezielt nach Spielern gesucht, die bestimmte Aufgaben erfüllen und die bestehenden Reihen ergänzen. Das bedeutet nicht, dass alles automatisch funktionieren wird. Unser Ziel ist klar: Wir wollen um die Meisterschaft kämpfen und jedes Spiel gewinnen.“
Anders als im letzten Jahr, haben sich in der Vorbereitung auch schon klare, ergänzte Reihen abgezeichnet.
David: „Ein gutes Beispiel dafür ist sicherlich die Reihe um Ehliz, Kahun und McKenna. Schon im Sommer hat für mich vieles dafürgesprochen, dass das sehr gut zusammenpassen könnte. Jeder Spieler übernimmt eine bestimmte Aufgabe und ergänzt gleichzeitig die anderen beiden. So beginnt man dann für sich, Teile zusammenzufügen. Das war während des gesamten Sommers meine mentale Hausaufgabe. Und seit ein paar Wochen können wir testen, wie gut mir das gelungen ist. Im letzten Jahr mussten wir deutlich mehr herumprobieren.“

Nicht nur diese Reihe hat schon gut harmoniert. Trotzdem hast du zuletzt auch die Erwartungen zumindest ein wenig versucht zu dämpfen.
David: „Ich möchte einfach ein wenig zur Vorsicht mahnen. Unser Ziel ist selbstverständlich, um die Meisterschaft zu kämpfen und sie zu gewinnen. Das ist vollkommen klar. Aber man kann die Arbeit und unsere Entwicklung im Verlauf der Saison nicht immer allein von Ergebnissen abhängig machen. Entscheidend ist, ob wir von Woche zu Woche besser werden, gesund bleiben, gute Entscheidungen treffen und unsere Spielidee konsequent umsetzen. Berlin ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich eine Saison jederzeit verändern kann. Mannschaften können lange Zeit Schwierigkeiten haben und am Ende dennoch sehr erfolgreich sein. Auch Mannheim hat sich über mehrere Jahre kontinuierlich verbessert und stand letztes Jahr im Finale. Im Eishockey kann nahezu jedes Spiel in beide Richtungen kippen. Deshalb muss man sich auf die Prozesse konzentrieren. Ergebnisse lassen sich nicht vollständig kontrollieren – die eigene Vorbereitung und die eigene Leistung hingegen schon. Die Fans sollten deshalb manchmal wie Trainer auf ein Spiel schauen: Sind wir gut organisiert? Zeigen wir Einsatz? Erarbeiten wir uns die Chance, jeden Abend zu gewinnen? Wenn etwas nicht stimmt, wissen wir das und arbeiten daran. Aber auch wenn es gut läuft, müssen wir unser Spiel weiterentwickeln und dürfen uns nicht zufriedengeben.“
Hast du sonst noch etwas, das du den Fans vor dem Saisonstart mit auf den Weg geben möchtest?
David: „Natürlich wollen wir Meister werden. In der Kurve hängen neue Bilder, die unsere größten Cluberfolge feiern und auf die sich die Fans am Freitag freuen dürfen. Ich finde das ist eine große Geste. Ich bin da nicht drauf zu sehen und die meisten Spieler aus unserem Team auch nicht – ich verspreche euch, dass das eine riesige Motivation ist. Wir haben eine Mannschaft von Spielern, die bereit ist, alles zu tun, was notwendig ist, um euch stolz zu machen. Eure Unterstützung ist dabei sehr wichtig – unabhängig davon, ob wir gewinnen oder verlieren. Der Support im vergangenen Jahr war wirklich großartig. Gemeinsam wollen und können wir der Erfolgsgeschichte des Clubs ein neues Kapitel hinzufügen – und deshalb freue ich mich unglaublich darauf, dass es morgen mit einem Heimspiel losgeht.“


Auftaktkracher im SAP Garden: Red Bulls starten gegen Mannheim in die neue Spielzeit// SPIELTAG

Neue Regeln in der PENNY DEL zur Saison 2026/27 // SPIELTAG

Vor Saisonstart im SAP Garden: Alle wichtigen Neuerungen für euren Stadionbesuch // FANS