Trevor Carrick: „Will den Titel zurück nach München bringen“
Friday, 03. July 2026 |

EHC Red Bull München: Trevor Carrick im Interview

Trevor Carrick: „Will den Titel zurück nach München bringen“Neuzugang Trevor Carrick im Interview// INTERVIEWCalder-Cup-Sieger und AHL-Allstar: Trevor Carrick hat in Nordamerika seine Spuren hinterlassen. Im Interview spricht der Kanadier u.a. darüber, warum der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel nach Europa gekommen ist und welche Rolle Ryan Murphy spielte.
Servus Trevor, zum Einstieg wechseln wir die Sportart: Aktuell läuft die Fußball-Weltmeisterschaft, unter anderem in deinem Heimatland. Verfolgst du die WM?
Trevor Carrick: „Ich bin nicht der größte Fußballfan, aber ich habe das erste Spiel von Kanada in Toronto im Stadion gesehen – eine tolle Erfahrung. Kanada ist noch immer im Turnier, es ist echt cool, ihren Weg zu verfolgen. Es ist gerade ein echter Hype entstanden. Ich wusste auch gar nicht, dass Alphonso Davies (Kapitän Kanadas, Anm. d. Red.) bei Bayern München spielt. Ich hoffe, dass ich mit einigen Jungs aus der Mannschaft bald mal zu einem Heimspiel gehen kann.“
Da findet sich sicherlich eine Gelegenheit. Noch bist du aber in Toronto?
Carrick: „Etwas außerhalb, ja genau. Ich bin in einer kleinen Stadt mit dem Namen Stouffville aufgewachsen, ehe wir in die Nähe der Ahornsirup-Farm meines Opas gezogen sind. Als er verstarb, haben wir die Farm übernommen. Für den Sommer komme ich immer nach Hause. Meine drei Brüder und meine Eltern wohnen auf der gleichen Straße.“
Das hört sich nach viel Familienzeit an.
Carrick: „Es ist einfach schön. Der Sommer fliegt nur so an einem vorbei. Er ist dieses Jahr etwas kürzer, als ich es gewohnt bin, weil die Saison in Deutschland früher als in Nordamerika beginnt. Also versuchen wir so viel Zeit mit der Familie wie möglich zu verbringen. Ich war längere Zeit nicht sicher, was die Zukunft für mich bereithält – jetzt sind wir voller Vorfreude auf unseren Flug Ende Juli nach Deutschland.“
Bild Carrick Familie 1
Du hattest erwähnt, dass du noch drei Brüder hast. Da war der Weg zum Eishockeyprofi ja vorgezeichnet.
Carrick: „So ist es (lacht). Ich habe zwei ältere und einen jüngeren Bruder und als ich aufgewachsen bin, haben zwei von ihnen auch mit Eishockey angefangen. Erst haben wir Rollhockey gespielt, später auf dem zugefrorenen Teich meines Opas. Als ich älter wurde, bin ich einfach dabei geblieben. Mein Bruder Sam spielt noch immer in der NHL für die Buffalo Sabres.“
Eishockeyspieler werden bekanntlich im Sommer gemacht. Wie läuft dein Training?
Carrick: „Ich habe vor einigen Wochen angefangen, aber ich bin es nicht gewohnt, so früh im Sommer schon so intensiv zu trainieren (lacht). In meinem Gym sind auch noch einige andere Spieler, die in Europa spielen. Ich bin auch schon wieder mit einigen anderen Jungs auf dem Eis. Brady Austin von den Kölner Haien ist zum Beispiel auch dabei.“
Schauen wir auf deine letzten zwölf Jahre in Nordamerika zurück. Hast du jemals daran gedacht, schon früher nach Europa zu gehen?
Carrick: „Gute Frage. Aber die einfache Antwort ist: Nein. Mein ultimatives Ziel war es immer, es in die NHL zu schaffen. Das war mein Traum. Aber der Gedanke an Europa hat sich in meinem Kopf in den letzten Jahren immer mehr festgesetzt. Wenn du älter wirst, verändert sich auch deine Rolle. Du realisierst, dass es nicht mehr unbedingt die NHL sein muss.“
Was reizt dich am europäischen Eishockey und speziell an der PENNY DEL?
Carrick: „Wie gesagt, Europa schien mir immer faszinierender. Es gibt nicht mehr so viele junge Spieler, die versuchen, es in die NHL zu schaffen und dabei zwischen AHL und NHL hin- und herwechseln. Du hast vom ersten Tag an dein festes Team, es sind nur 52 Spiele und das Reisen ist etwas angenehmer. Es gab also ein paar Sachen, welche mir die Entscheidung leichter gemacht haben. Außerdem geht es nur noch ums Gewinnen.“
Bild Carrick auf Eis
Du giltst als sehr offensivstarker Verteidiger, das belegen deine Scorerpunkte in der AHL. Welche Stärken willst du auf der größeren Eisfläche in Deutschland einbringen?
Carrick: „Ich finde eigentlich, ich spiele gar nicht so super offensiv (lacht). Aber klar habe ich immer noch meine Fähigkeiten im Spiel nach vorne, ich schalte mich gerne in den Angriff mit ein. Ich denke, dass mein Schuss meine größte Stärke ist. Den versuche ich so oft wie möglich einzusetzen.“
Aber du bist auch ein Abwehrspieler, der die direkten Zweikämpfe nicht scheut.
Carrick: „Es soll einfach hart und nervig sein, gegen mich zu spielen. Ich spiele gerne physisch und stehe für meine Teamkollegen ein. Ich weiß noch nicht genau, wie meine Rolle aussehen wird. Aber ich bin für alles offen.“
Neben deiner beeindruckenden Karriere in der AHL hast du auch sieben NHL-Spiele bestritten. Kannst du dich noch an dein Debüt in der besten Liga der Welt erinnern?
Carrick: „Oh ja, das war für die Carolina Hurricanes. Eigentlich war ich in der AHL unterwegs zu einem Auswärtsspiel. In letzter Minute wurde jemand krank und ich habe den Call-up in die NHL bekommen. Carolina hat damals in Washington gespielt. Leider hatte sich mein Flug verspätet, so dass ich erst nach dem Warm-up da war. Es war also ein schwieriger Start (lacht). Ryan Murphy war auch im Team.“
Bild Carrick Familie 2
Ryan stammt aus Aurora, also auch aus der Nähe von Toronto. Kanntet ihr euch schon vorher?
Carrick: „Ich kenne ihn schon eine Weile, wir haben in Charlotte und Carolina zusammengespielt. Wir sind sogar ein Stück weit zusammen aufgewachsen – unsere Väter haben bereits gegeneinander gespielt (lacht).“
Habt ihr noch mehr Gemeinsamkeiten?
Carrick: „Er ist tatsächlich gerade nur zehn Minuten von mir entfernt, aber wir hatten noch keine Gelegenheit, uns zu treffen (lacht). Aber vielleicht gehen wir in den nächsten Tagen mal zusammen Golf spielen. Ryan war auch während meiner Überlegungen, nach Europa zu kommen, die gesamte Zeit für mich da. Er hat von München geschwärmt und davon, wie sehr er die Zeit dort genießt.“
Davon könnten dir sicher auch Antoine Bibeau und Taro Hirose berichten. Vermutlich kennst du sie bereits ebenfalls aus der AHL.
Carrick: „Antoine kenne ich, ja. Wir waren eine kurze Zeit gemeinsam in San Jose, dann wurde er nach dem Trainingscamp getradet. Ich habe oft gegen ihn gespielt – genauso wie gegen Taro und Chris DeSousa.“
Dann wirst du ja auf einige bereits bekannte Gesichter in unserem Team treffen. Das macht die Eingewöhnung leichter. Warum hast du dich für die Red Bulls entschieden?
Carrick: „Organisation, Stadt, Fans – alles, was mir erzählt wurde, klang einfach großartig. Und natürlich ist auch der SAP Garden unglaublich. Zudem weiß ich, dass es das Ziel ist, jedes Jahr den größtmöglichen Erfolg zu haben. Ich will den Titel wieder zurück nach München bringen.“
Nicht nur für dich, sondern auch für euch als Familie beginnt in einigen Wochen ein neuer Lebensabschnitt. Aus welchen Gründen habt ihr die Entscheidung gemeinsam getroffen?
Carrick: „Abseits vom Eishockey ist für uns als Familie, also für meine Frau und meine 16 Monate alte Tochter, jetzt einfach der richtige Zeitpunkt gekommen, etwas Neues zu probieren und neue Erfahrungen zu sammeln. Unser zweites Baby ist auch schon auf dem Weg, im Januar wird es so weit sein. Ich war erst einmal in meinem Leben in Europa und habe diesen Teil der Welt bislang kaum kennengelernt. Wir freuen uns riesig und sind schon sehr gespannt, nach München zu kommen.“
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