Können du und das gesamte Trainerteam dahingehend unterstützen, oder muss das eine intrinsische Motivation der Spieler sein?
David: „Wir Coaches sind sogar dafür verantwortlich, das Schiff auf dem Kurs zu halten. Wir müssen sicherstellen, dass die Spieler den Glauben an unsere Vision nicht verlieren. Erst wenn das funktioniert, können wir in die Detailarbeit gehen. System, Reihen, Taktiken, Spielzüge – das alles bringt dir ohne die Grundlage dafür nichts. Und das sind Glaube, Meisterschafts-Mindset und Zusammenhalt.“
Bei deinem Antritt hast du angekündigt, dass du einen Spielstil etablieren willst, der „bullish“ ist. Aggressiv, temporeich und angriffslustig, waren damals Teile deiner Beschreibung. Hast du das von den Jungs in der Vorbereitung schon gesehen?
David: „In der Vorbereitung gab es sehr gute Beispiele dafür, wie wir spielen wollen. Viele Szenen, in denen wir unseren Red Bulls Hockeystyle gesehen haben. Wir haben aber auch genug Beispiele, in denen das nicht der Fall war. Und das ist mindestens genauso wichtig in der Pre-Season. Es zeigt, was schon funktioniert, woran wir arbeiten müssen und welche Ideen wir doch nicht umsetzen werden. Wir wollen klares und simples Eishockey spielen. Aber: Simpel heißt nicht einfach. Unser Style erfordert eine ausgeprägte Fitness und einen kompetitiven Ehrgeiz.“
Was genau meinst du damit, wie übersetzt sich das auf das Spielgeschehen?
David: „Wir wollen Führungen nicht nur verwalten. Wir müssen unser Spiel machen und das ist nicht einfach, auch wenn es sich simpel anhört. Alle Spieler auf dem Eis müssen synchron arbeiten, wie ein Vogelschwarm, der die Flugrichtung zeitgleich ändert. Und in vielen genannten Punkten haben wir im Laufe der Vorbereitung bereits eine gute Entwicklung gesehen.“
In den bislang sieben Spielen hast du viel Variation in die Reihen gebracht. Haben sich bereits einige Konstellationen gefunden, die Bestand haben werden?
David: „Dass wir die Reihen bis zum Ende der Vorbereitung in Teilen rotiert haben, liegt auch daran, dass wir einen breiten Kader haben. Wenn alle fit sind, kann nicht jeder spielen. Deshalb geht es auch darum, immer die bestmöglichen Kombinationen an Spielern zu haben, die dabei sind. Das kann entsprechend variieren. Es wird ein oder zwei Reihen geben, die fest und komplett eingespielt sind, blind die Bewegungen des anderen kennen. Aber wir werden Variationen anbieten und auch anbieten müssen.“
Also sind zumindest einige Reihen, die wir jüngst gesehen haben, schon gesetzt?
David: „Wenn wir uns die Reihen angucken, fehlt noch ein Spieler: Chris DeSousa. Ich konnte ihn außerhalb des Trainings bislang nur im Fernsehen sehen. Aber gemessen an dem, was ich gesehen habe und seiner Historie im Club und der DEL, bin ich mir darüber im Klaren, dass er ein absoluter Unterschiedsspieler für uns sein kann. Es wird spannend, wie wir diesen X-Faktor in unsere Reihen integrieren und mit wem er am besten harmonieren wird.“
Am Freitag kommt es dann endlich zu deinem ersten Spiel als DEL-Trainer. Es geht zum Vizemeister nach Köln. Kein einfacher Auftakt.
David: „Es sind noch zwei Tage. Der Druck wächst bestimmt noch, aber aktuell spüre ich vor allem Vorfreude auf den Saisonstart. Es geht nur darum, dass wir unser Spiel machen und uns die Chance verdienen, zu gewinnen. Dann spielt es keine Rolle, dass Köln letztes Jahr Vizemeister geworden ist oder wir vor über 18.000 Zuschauern spielen.“