
Dienstag, 30. Juni 2026 |
EHC Red Bull München: Interview mit Goalie-Coach Dimitri Pätzold
Dimitri, herzlichen Glückwunsch zur neuen Aufgabe. Was reizt dich besonders an der Arbeit mit den Torhütern bei den Profis?
Dimitri Pätzold: „In erster Linie, dass man im Vergleich zum Nachwuchs wieder auf eine andere Art und Weise in einem Wettbewerb dabei ist. Im Nachwuchs betreust du als Torwarttrainer von der U9 bis zur U20 viele Mannschaften und arbeitest mit allen Torhütern im Verein. Natürlich hast du dort einen gewissen Einfluss, vor allem auf die Torhüter und ihre Leistung. Bei den Profis bist du auf eine Mannschaft fixiert und auf zwei bis drei Torhüter. Das ist ein ganz anderes Arbeiten.“
Welche Erfahrungen nimmst du nach deiner Zeit im Nachwuchsbereich mit zu den Profis?
Pätzold: „Die Arbeit unterscheidet sich extrem. Ob ich mit einem Elfjährigen arbeite oder mit einen Goalie aus der U20, alleine da verändert sich die Art, was ich mache und wie ich mit den Spielern spreche. Im Erwachsenenbereich ist das noch mal ganz anders. Alle Grundlagen sind bei den Profis schon da, die können alles. Es geht vielmehr um Feinheiten und Details. Und natürlich ist der menschliche Umgang ein ganz anderer. Wann sagt man was, wann sagt man am besten gar nichts – das ist entscheidend. Diese Erfahrung konnte ich in Landshut sammeln, wo ich mit der DEL2-Mannschaft gearbeitet habe.“
Welche Eigenschaften zeichnen einen modernen Torhüter aus, die vielleicht vor zehn, fünfzehn Jahren noch nicht so wichtig waren?
Pätzold: „Das Spiel verändert sich generell ungefähr alle fünf, sechs Jahre, weil Spieler und wir als Torhüter immer neue Lösungen suchen. Alle sind heute gut vorbereitet und top ausgebildet. Als ich zum Beispiel mit der U16-Nationalmannschaft gearbeitet habe, waren die Jungs in dem Alter schon sehr gut ausgebildet. Das war zu unserer Zeit noch nicht so. Diese Technik, verbunden mit der Athletik und der Fitness, eröffnet natürlich ganz andere Möglichkeiten.“
Welche Erfahrungen aus deiner aktiven Karriere fließen am stärksten ins Coaching ein?
Pätzold: „Was man in keinem Trainerlehrgang und in keinem Buch lernen kann, sind die eigenen Erfahrungen aus wichtigen Momenten der Karriere, ganz egal, ob das Big Games, Weltmeisterschaften oder entscheidende Ligaspiele waren. Das gibt dir die Empathie für die Torhüter. Zu verstehen, dass oft nicht alles so einfach ist, wie es von außen aussieht. Und auch das Gespür dafür zu haben, wann man einen Witz reißt, um einen Torwart abzuholen – und wann eben nicht.“
Wenn wir über deine Karriere als Spieler sprechen, was ist deine schönste Erinnerung?
Pätzold: „Da gab es einige. Das erste NHL-Spiel oder die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Vancouver: das sind nur einige Highlights für mich. Da fällt es schwer, eines auszuwählen.“
Jetzt arbeitest du schon länger als Coach. Wie veränderte sich deine Sicht auf das Spiel?
Pätzold: „Als Spieler bist du viel mehr mit dir selbst beschäftigt. Du gehst ins Bett, und ab da geht’s los: gut schlafen, aufstehen, gutes Frühstück, Ernährung – den ganzen Tag legst du darauf aus, bestmöglich zu performen. Als Trainer denkst du nicht mehr an dich selbst, sondern daran, wie du andere besser machen und wie du ihnen helfen kannst. Das war für mich der größte Switch am Anfang.“
Wie sieht das Zusammenspiel zwischen Torwarttrainer und dem restlichen Trainerstab aus?
Pätzold: „Ich sorge dafür, dass die Torhüter bestmöglich versorgt sind, ob das der Trainingsplan ist oder das Organisieren von Spielern, wenn wir mit den Torhütern schon früher aufs Eis gehen. Dazu arbeite ich als Video-Coach: Während des Spiels mache ich Live-Tracking. So können sich die Trainer jederzeit eine Situation auf der Bank oder in der Drittelpause auf dem iPad anschauen. Nach dem Spiel werden dann bestimmte Situationen aufbereitet, zum Beispiel Zweikämpfe einzelner Spieler. Für die Torhüter schneide ich nach jedem Spiel zusätzlich ein Video mit den relevanten Clips. Das wird dann am nächsten Tag analysiert.“

Welche Rolle spielt die mentale Arbeit in deinem Training mit den Torhütern?
Pätzold: „Das ist eine interessante Frage. Wenn man an Mentalarbeit denkt, kommt einem sofort ein Sportpsychologe in den Sinn. Aber als Torwart bist du ein Individueller im Team. Du hast eine komplett andere Aufgabe als der Rest der Mannschaft und außer dem Torwarttrainer eigentlich niemanden, der deinen Job wirklich im Detail versteht. Ich sehe meine Arbeit deshalb auch als eine Art psychologische Begleitung: diese Gespräche zu führen, auf dem Eis und daneben, damit sich die Torhüter in ihrer Rolle nicht allein fühlen. Und wieder: das Feingefühl, wann was gesagt werden sollte und wann lieber gar nichts.“
Wie würdest du deine Philosophie als Torwarttrainer beschreiben?
Pätzold: „Ich versuche aus den Stärken jedes Torhüters das Maximum herauszuholen. Mathias Niederberger und Antoine Bibeau sind zum Beispiel komplett unterschiedliche Torhüter – der eine groß gewachsen, der andere eher kompakt. Beide haben unterschiedliche Stile. Für dieselbe Aufgabe im Training unterschiedliche Wege zu finden, die aber für beide zum Erfolg führen, das ist mein Anspruch. Ich passe mich an die Torhüter an, nicht umgekehrt.“
Was ist dein persönliches Ziel für deine erste Saison bei der DEL-Mannschaft?
Pätzold: „Persönlich gilt es zunächst, die Jungs kennenzulernen, ein Verständnis für sie zu entwickeln und dann für jeden den Weg zu finden, der zum größtmöglichen Erfolg führt. Und als Mannschaft ist das Ziel klar: Wir wollen die Meisterschaft gewinnen.“
Hattest du als junger Torhüter ein Vorbild?
Pätzold: „Einige, die sich auch mit dem Alter verändert haben. Als Kind war derjenige, der mein Spiel am stärksten beeinflusst hat, Patrick Roy. Ihm habe ich nachgeeifert. Später kamen andere dazu. Evgeni Nabokov zum Beispiel kommt aus derselben Stadt in Kasachstan, in der ich geboren wurde. Sein Vater war mein erster Torwarttrainer dort, und so kannte ich Evgeni schon aus der Nachwuchszeit. Später, als ich nach dem Draft nach San Jose kam, hat er mir sehr viel geholfen und mir vor allem viel über das Spielverständnis beigebracht.“
Welchen Rat gibst du einem jungen Torhüter mit auf den Weg?
Pätzold: „Geduldig zu bleiben und Schritt für Schritt zu gehen ohne Abkürzungen. Das ist das größte Problem im Nachwuchs: Die wollen alles so schnell wie möglich und vergessen dabei oft die kleinen, wichtigen Dinge, auf die es wirklich ankommt.“
Du lebst seit vielen Jahren in der Nähe von Erding. Ist das inzwischen deine Heimat?
Pätzold: „Ja, ganz klar. Erding ist seit über zwanzig Jahren meine Heimat. Meine Frau kommt aus Erding, und schon als Spieler haben wir die spielfreie Zeit im Sommer immer dort verbracht.“
Und was machst du, wenn es nicht um Eishockey geht?
Pätzold: „Ich habe zwei Töchter, die beide Tennis spielen. Ich selbst spiele in einer Herren-Mannschaft in Erding. Seitdem die Mädels recht ambitioniert spielen, verbringe ich auch mit ihnen einige Zeit auf dem Tennisplatz. Sie spielen beide in Jugendmannschaften.“

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