Bibeau: „In der Halle bin ich Goalie – zu Hause einfach Papa“
Dienstag, 17. Februar 2026 |

Antoine Bibeau: „In der Halle bin ich Goalie – zu Hause bin ich einfach Papa“

Bibeau: „In der Halle bin ich Goalie – zu Hause einfach Papa“Unsere Nummer 30 im Interview// INTERVIEWAntoine Bibeau gehört in dieser Saison zu unseren Leistungsträgern. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Pause, seinen Charakter abseits des Eises, den Umgang mit Druck, seine Kinder – und warum er Eishockey heute anders sieht als früher.
Antoine, zuerst: Wie geht es dir, wie war deine Pause?
Antoine Bibeau: „Mir geht es gut, die Pause war schön. Ich denke, das war für alle wichtig. Wir haben seit Weihnachten und sogar schon davor extrem viele Spiele bestritten und hatten viele Verletzungen innerhalb des Teams. Da war es gut, einfach mal ein bisschen Abstand vom Eishockey zu nehmen und Zeit mit der Familie zu verbringen.“
Wie habt ihr die Pause verbracht?
Bibeau: „Wir waren in einem Familienhotel in Deutschland. Es war wirklich schön. Die Kinder haben es geliebt und auch mir tat es gut, einfach mal ein bisschen aus dem Alltag auszubrechen. Ich glaube, alle sind froh, wieder zurück zu sein, aber wie gesagt: Diese Pause war wichtig.“
Du hast zu Hause ein Neugeborenes. Wie läuft das Vaterdasein – und was macht das mit dir als Spieler?
Bibeau: „Es läuft gut. Natürlich gibt es ein bisschen mehr Arbeit, wir schlafen nicht so viel wie sonst, aber es ist einfach toll. Meine Tochter ist gesund, gut gelaunt, und meinem Sohn geht es auch gut. Es verändert einen schon. Bevor ich Kinder hatte, habe ich schlechte Tage auf dem Eis manchmal etwas persönlicher genommen und war schlecht gelaunt, wenn ich nach Hause kam. Jetzt komme ich nach Hause und die Kinder wollen mit mir spielen. Das hat meine Sichtweise auf Eishockey ein wenig verändert und mich lockerer gemacht. Egal, was ich auf dem Eis mache – ich komme nach Hause und sie freuen sich, mich zu sehen.“
Wünschst du dir, dass deine Kinder später auch Eishockey spielen?
Bibeau: „Das würde mir sehr gefallen, aber ich übe keinen Druck aus. Ob mein Sohn und meine Tochter Hockey spielen oder eine andere Sportart ausüben möchten – ich werde sie immer unterstützen, solange sie glücklich sind. Mein Sohn liebt Hockey im Moment und kommt gerne zu den Spielen. Aber für mich ist wichtig: Sie sollen ihren eigenen Weg gehen.“
Antoine Bibeau
Wie würdest du dich generell abseits des Eises beschreiben?
Bibeau: „Ich denke, ich bin ziemlich entspannt. Ich habe gerne Spaß mit den Jungs, aber ich bin vielleicht nicht der kontaktfreudigste Mensch. Ich mag auch meine Zeit allein. In der Eishalle bin ich der Torwart – das ist mein Job. Aber wenn ich vom Eis komme und nach Hause gehe, ist es wichtig, den Eishockeyteil dort zu lassen und mich wirklich auf die Zeit mit meiner Familie zu konzentrieren und nicht die ganze Zeit an Eishockey zu denken. Die Saison ist lang, das kann mental sehr anstrengend sein.“
Wie sieht dann ein perfekter freier Tag für dich aus?
Bibeau: „Einfach Zeit mit der Familie verbringen, natürlich abseits des Eises. Wir sind jeden Tag auf dem Eis, meistens sechs Tage die Woche. Wenn wir dann einen freien Tag haben, geht es wirklich nur darum, abzuschalten und Dinge zu tun, zu denen man normalerweise keine Gelegenheit hat. Im Sommer spiele ich gerne Golf und bin draußen, aber während der Saison mache ich an meinen freien Tagen nicht viel. Meistens versuche ich einfach, mich auszuruhen und Energie für den nächsten Tag zu tanken.“
Du spielst auf einer Position, die viel mentale Stärke erfordert. Wie bist du an Spiel- und Trainingstagen drauf?
Bibeau: „An Spieltagen bin ich vielleicht etwas ruhiger, aber gleichzeitig ziemlich locker. Bis 15 Minuten vor Spielbeginn kann ich mich mit jedem über alles unterhalten – es muss nicht einmal um Eishockey gehen. Ich bin nicht der Typ Torwart, der vor einem Spiel total in seinen Gedanken versunken ist und sich in seine eigene Welt zurückzieht. Ich mache einfach mein Ding. An Trainingstagen und freien Tagen bin ich eher extrovertiert, habe ein bisschen mehr Spaß mit den Jungs. Ich denke, das ist wichtig, um alles ein bisschen lockerer zu nehmen und Spaß zu haben.“
Antoine Bibeau
Welche Rolle nimmst du in der Mannschaft und im Freundeskreis ein?
Bibeau: „Ich würde sagen, ich bin immer für die anderen da, egal, was sie von mir brauchen. Wie gesagt, ich bin nicht die kontaktfreudigste Person in meiner Freundesgruppe oder im Team, aber ich bin immer bereit zuzuhören, wenn es ein Problem gibt oder irgendetwas anderes. Ich bin vielleicht nicht der Lauteste, aber ich bin präsent. Und gerade bei unseren jüngeren Goalies versuche ich, eine Art Mentorenrolle einzunehmen. Ich bin 31 und habe in vielen Ligen gespielt, viele Spiele bestritten. Wenn Wolfi (Simon Wolf) oder Bitsi (Matthias Bittner) etwas von mir brauchen oder Fragen haben, gebe ich mein Bestes, um ihnen zu helfen. Das gleiche gilt für Mathias – wir stehen uns sehr nahe, wir arbeiten als Goaliegruppe wirklich gut zusammen.“
Du wirst als Torwart beschrieben, der das Spiel sehr gut liest. Kannst du jemandem ohne Hockey-Wissen erklären, was das bedeutet?
Bibeau: „Ich glaube, ich kann einfach vorhersagen, was die Jungs auf dem Eis machen werden. Ich kann schnell erkennen, wer Links- und wer Rechtsschütze ist. Ich verstehe sofort, woher die Gefahren kommen werden. Manchmal ist vielleicht ein Spieler frei, aber ich weiß aufgrund der Position seiner Hände oder der Position unserer Verteidiger, dass ich mehr Zeit habe, dorthin zu gelangen, selbst wenn er den Puck bekommt. Manchmal weiß man, dass ein bestimmter Spielzug kommen wird, versteht aber, dass dieser Spieler vielleicht kein Direktschütze ist – dann weiß man, dass man mehr Zeit hat. Das kommt mit der Erfahrung – und davon habe ich im Laufe der Jahre einige gesammelt.“
Nach der Verletzung von Mathias Niederberger warst du im Tor bei uns gesetzt und hast fast jedes Spiel bestritten. Du hast mit dem besten Gegentor-Schnitt, der zweitbesten Fangquote und zwei Shutouts in Folge überzeugt. Wie hast du diese Phase persönlich erlebt?
Bibeau: „Es war eine Menge. Ich hatte das nicht erwartet und hatte Mitleid mit Mathias. Ich weiß, wie das ist, ich hatte auch schon solche Verletzungen. Ich hatte Mitleid mit ihm, aber gleichzeitig öffnete sich für mich die Tür, um einige Spiele zu bestreiten. Ich begann, ein Spiel, zwei Spiele zu spielen, kam in Schwung – und es lief wirklich gut. Die Mannschaft spielt vor mir gut, was mir meine Arbeit sehr erleichtert. Die Tatsache, dass ich viele Spiele bestreiten konnte, in einen Rhythmus gekommen bin, hat mir sehr geholfen. Besonders wenn man gut spielt und viel spielt, wird es ein bisschen einfacher.“
Wie gehst du dabei mit negativem Druck – Gegentoren, Niederlagen – um?
Bibeau: „Ich setze mich selbst am meisten unter Druck. Der Druck von außen beeinflusst mich nicht so sehr, weil ich mir selbst sehr bewusst bin, wann ich ein gutes oder ein schlechtes Spiel hatte. Ich bin dieses Jahr mit dem Ziel angetreten, nichts zu überdenken und eine „Ein-Tag-nach-dem-anderen“-Mentalität zu haben. Ich komme zum Training, möchte gut trainieren und Spaß haben. Wenn es am Tag davor nicht so gut gelaufen ist, grüble ich nicht lange darüber nach – das kommt vor, der nächste Tag wird besser. Ich konzentriere mich nicht auf die Ergebnisse. Ich gehe nicht mit der Einstellung ins Spiel, dass ich dieses Spiel gewinnen muss. Ich muss einfach meinen Job machen und dem Team eine Chance geben.“
Top Saves von Antoine Bibeau
// DEL - HIGHLIGHTS
Gibt es ein bestimmtes Spiel in deiner Karriere, an das du dich bis heute erinnerst?
Bibeau: „Natürlich war mein erstes NHL-Spiel etwas ganz Besonderes. Das steht ganz oben auf der Liste. Und dann habe ich in der Juniorenliga den Cup gewonnen und bin zum Memorial Cup gefahren – das war auch etwas ganz Besonderes. Jedes Mal, wenn man die Chance hat, eine Meisterschaft zu gewinnen, ist das etwas ganz Besonderes.“
Hast du dir je überlegt, was du gemacht hättest, wenn es mit dem Hockey nicht funktioniert hätte?
Bibeau: „Ich habe keine Ahnung (lacht). Diese Frage wurde mir schon einmal gestellt. Ich war ein guter Schüler, aber es gab nichts, was mich wirklich interessiert hätte. Mit 19 habe ich angefangen, professionell zu spielen. Ich spiele schon seit meiner Kindheit und hatte nie wirklich die Gelegenheit, über etwas anderes nachzudenken. Ein Vertrag wurde zum nächsten, und jetzt bin ich 31 und spiele immer noch. Natürlich bin ich froh, dass es mit dem Eishockey geklappt hat.“
Wer hat dich in deiner Kindheit am meisten unterstützt, mit dem Eishockey anzufangen?
Bibeau: „Ich würde sagen, meine Eltern. Sie haben viele Opfer gebracht, damit ich überhaupt Hockey spielen konnte. Es war nicht immer einfach, aber sie waren immer für mich da – egal, ob es gut lief oder nicht. Ich kann immer mit ihnen reden.“
Hast du bestimmte Idole oder Persönlichkeiten, von denen du dir etwas abgeschaut hast?
Bibeau: „Idole im klassischen Sinne vielleicht nicht viele, aber ich lese gerne Sportbiografien, die mich inspirieren. Tiger Woods zum Beispiel. Im Eishockey war Patrick Roy immer mein Idol, als ich aufwuchs. Er kommt aus Quebec und hatte eine so erfolgreiche Karriere in der NHL. Auch sein Buch habe ich gerne gelesen.“
Was gibt dir immer das Gefühl, „zu Hause“ zu sein und hast du das auch schon hier in München?
Bibeau: „Ich würde sagen: meine Familie. Egal, wo wir sind – ich glaube, wir sind immer zu Hause. Wir fühlen uns in München sehr wohl, wir lieben es hier. Anfangs war ich eine Weile alleine hier, dann ist meine Familie nachgekommen, und seitdem ist es großartig. Als Familie können wir diesen Ort problemlos als unser Zuhause bezeichnen.“
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