Sportler und Trainer verschreiben ihr Leben bewusst dem Sport. Wie intensiviert sich das während der Playoffs noch zusätzlich?
David: „Ab jetzt gibt es nur noch Eishockey. Selbst wenn wir uns mal einen ‚freien‘ Tag erlauben können, bist du in Gedanken im Spiel. Wenn es jetzt wärmer wird, kannst du vielleicht auch mal in die Sonne gehen oder Zeit mit der Familie verbringen, das tut gut und ist schön, aber die nächsten Wochen gehören unserem Sport. Und diese Einstellung ist oft hilfreicher, als eine längere Pause, um in einen Rhythmus zu kommen. Es wird zum Alltag und darauf freut man sich auch. Komisch wird es eigentlich erst dann, wenn die Saison plötzlich vorbei ist und du gar nicht weißt, was du jetzt machen sollst (lacht).“
Das Playoff-Mindset spielt eine große Rolle. Was zählt als deiner Erfahrung aus den letzten beiden Jahren, in denen du den EC Red Bull Salzburg zu zwei Meisterschaften geführt hast, noch dazu?
David: „Eine der wichtigsten Sachen, die ich nach Niederlagen erkannt habe, ist, dass du niemals überreagieren darfst. Natürlich, wenn du eine komplette Serie verlierst, ist es vorbei und du darfst Dinge auf den Kopf stellen. Aber solange du im Rennen bist: bleib ruhig. Egal, wie aussichtlos es scheint. Wenn du einen Marathon läufst und dein Schuh aufgeht, dann nehme dir die Zeit, bück dich und binde ihn vernünftig wieder zu. Wenn du den Schuh vor Hektik wegwirfst, wirst du das Rennen nicht erfolgreich beenden. Ich hoffe, man versteht, was ich meine (lacht). Die Navy Seals haben ein Credo: Langsam ist geschmeidig und geschmeidig ist schnell. Das finde ich ganz gut. Auch emotional sollte man nie überreagieren. Nach einer Niederlage bringen Schuldzuweisungen wirklich niemandem etwas.“
Teamzusammenhalt ist in den Playoffs also elementar für dich.
David: „Als Team bist du eine Familie. Du verbringst Zeit im Training, im Bus, in der Kabine, auf dem Eis und auf dem Hotelzimmer zusammen. Es muss harmonieren. Gleichzeitig ist klar, dass jeder einzelne innerhalb dieser Geschichte seine Rolle spielen wird. Zwei oder drei Spieler gewinnen dir keine Meisterschaft. Das Team muss immer an erster Stelle spielen – das gilt nicht nur für die zwei Importspieler, die pausieren müssen.“
Und hat unser Team das Zeug zur Meisterschaft?
David: „Davon bin ich überzeugt. Es gab in dieser Saison viele Spiele, in denen wir das unter Beweis gestellt haben. Wir können jeden in dieser Liga schlagen, auch, wenn wir zurückliegen. Als Trainerteam versuchen wir mit unserer Spielidee und dem Gameplan die Grundlage für die Spieler zu legen. Die Jungs müssen dann ihre Rollen auf dem Eis einnehmen. Defensiv, offensiv oder im Unter- und Überzahlspiel. Und ich habe dieses Jahr genug gesehen, um sagen zu können: Wir haben eine Chance!“